Tempelhofer Feld

Mit der Schließung des Flughafens Tempelhof 2008 erhielt die Stadt Berlin eine große zentral gelegene Freifläche. Die zukünftige Nutzung und Gestaltung dieses zeithistorisch in vielerlei Hinsicht bedeutenden Geländes ist umstritten und wird kontrovers diskutiert. Zum einen ist es mit dem Greuel der NS-Diktatur (KZ Columbiahaus und Zwangsarbeit) eng verbunden; zum anderen wurde der Ort ein Symbol der Hoffnung und Freiheit während der Blockade des geteilten Berlins mit dem letztenendes die Schuld am NS-Regime verdrängt wurde. Die geplante Neunutzung des Geländes macht archäologische Untersuchungen notwendig.


Die Bezeichnung Tempelhofer Freiheit deutet darauf hin, dass das Gebiet ursprünglich die Immunität der Templerkommende des 13.Jhs. umfasste. Für die gleiche Flur findet auch der Name Tempelhofer Feld Verwendung. Dieses Toponym weist auf die militärische Nutzung des Ortes als Exzerzier- und Paradeplatz seit den 20er Jahren des 18.Jhs. hin.


Archäologisch dürften sowohl die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes im Mittelalter und der frühen Neuzeit, sowie die Nutzung als Platz für Aufmärsche auch noch zu 1.Mai-Demonstration im Dritten Reich aufgrund des vermutlichen Fehlens historischer Oberflächen und später Überprägung durch andere Nutzung kaum nachweisbar sein.


Anders für die im folgenden aufgelisteten Nutzungen, die sich zum Großteil anhand historischen Planmaterials und Luftbildern kartieren lassen.


Militär: Schießanlagen

Polizei / Militär: Militärgefängnis (seit 1895), in der Nachnutzung Gestapogefängnis (1933-34) und KZ Columbiahaus (1934-1936) – Gebäude für den Bau des neuen Flughafens abgerissen, der nördliche strassenseitige Teil der Gebäude könnte sich in Fundamente archäologisch noch nachweisen lassen.

Barackenlager: Sanitätsbaracken (1914-1918?), Baracken als Unterkünfte für Zwangarbeiter (1941-1944)

Verkehr: Gebäude des ersten Flughafen (seit 1923, Gebäude zerstört 1944) und zweiter Flughafen (Bau 1936-1939) mit Gebäuden und anderen technischen Einrichtungen.


Einige dieser historischen Pläne und Luftbilder habe ich georeferenziert und hier eingebunden. Da diese aus dem Internet heruntergeladen sind, haben sie nur eine geringe Auflösung, für ein ernsthaftes GIS müssen diese natürlich in einer höheren Auflösung vorliegen und durch weitere Pläne und Lufbilder ergänzt werden. Erst dann lassen sich die Bilder genauer entzerren und die einzelnen Baracken geometrisch exakt und lagerichtig digitalisieren. Dies bildet dann eine Grundlage zur Rekonstruktion der baulichen Entwicklung des Barackenlagers.


Im Satellitenbild und im Gelände zeichnen sich noch heute Reste der 1944 durch Luftangriffe zerstörten Zwangsarbeiterbaracken und des ersten Flughafens auf der Oberfläche ab.